15.06.2026
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girocard 4.0 Die vertraute Karte geht jetzt online

Auf dem EHI Payment Kongress 2026 war viel von neuen Zahlverfahren die Rede: Wero, digitaler Euro, internationale Debitkarten, Wallets, Self-Checkout. Im Alltag an der Kasse spielt jedoch eine Zahlungsart mit Abstand die wichtigste Rolle – die girocard. Ein kurzer Blick auf die Statistik zeigt ihre wirtschaftliche Bedeutung für den Handel. 2025 wurde die girocard rund 8,3 Milliarden Mal eingesetzt, ein Plus von 4,8 Prozent. Der mit der girocard bezahlte Umsatz im Handel lag bei rund 308 Milliarden Euro.

© EURO Kartensysteme GmbH Quelle: Die deutsche Kreditwirtschaft, Stand Februar 2026.

Inzwischen können Kunden an rund 1,3 Millionen aktiven Terminals damit bezahlen. Im Dezember 2025 liefen 88,5 Prozent der girocard-Transaktionen kontaktlos, der durchschnittliche Bon sank auf 37,25 Euro. Besonders aufschlussreich ist der Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Anzahl der Transaktionen und dem geringeren Durchschnitts-Warenkorb. Das zeigt, dass die girocard nicht mehr nur beim Wocheneinkauf zum Einsatz kommt, sondern auch im Café, beim Bäcker, am Kiosk oder am Automaten.  

Digitale Frischzellenkur

Ursprünglich als nationale Bezahllösung für den stationären Handel gedacht, steht die girocard jetzt vor dem Sprung in die digitale Welt. Die zunehmende Bedeutung des grenzüberschreitenden E-Commerce erfordert eine Frischzellenkur für die girocard in Sachen Online-Handel. Gleichzeitig haben viele Banken und Sparkassen das über viele Jahre genutzte Co-Branding mit Maestro für den internationalen Einsatz der Karte durch moderne Debit-Verfahen wie V-Pay von Visa oder Mastercard Debit ersetzt. Unter anderem dadurch entsteht die Möglichkeit, die girocard jetzt in die digitale Customer Journey zu verlängern. 

Genau hier setzt das Konzept girocard 4.0 an. Spielte die Karte ihre Stärke bisher vor allem dort aus, wo Kundinnen und Kunden physisch vor dem Terminal standen, soll die digitale girocard auch in Apps und im Online-Handel funktionieren. Für Großkunden eröffnet das die Chance, stationäre, mobile und digitale Touchpoints enger zusammenzuführen – vom Self-Checkout über Click & Collect bis zur Bestellung in der App.   

Neue Funktionen für das bewährte Konzept

Die Deutsche Kreditwirtschaft – die verantwortliche Organisation hinter der girocard – will deren Leistungsspektrum in vier zentralen Bereichen erweitern. Dazu zählen eine flexiblere Autorisierung, In-App-Zahlungen, stärkere Wallet-Integration und Zusatzfunktionen für mehr Kundenbindung.  

Flexiblere Autorisierung unterstützt Einsatzfälle, bei denen Betrag oder Leistung nicht schon im Moment der ersten Zahlung feststehen – etwa bei Reservierungen, Services oder späterer Abrechnung. Dadurch können Händler künftig eine deutlich umfassendere Bandbreite an realen Kauf- und Nutzungsszenarien abbilden.   

In App-Zahlungen & Smart-Payment

Da beim Bezahlen jeder Medienbruch zu einem potenziellen Kaufabbruch führen kann, sollen Kundinnen und Kunden die girocard künftig direkt in einer App einsetzen können, ohne den Kaufprozess zu verlassen. Wer eine vertraute Zahlungsart in die App bringt, senkt Hürden und hält den Kunden in der eigenen Umgebung. Für Omnichannel-Händler kann die girocard damit vom Zahlungsmittel zum Bestandteil der Kundenbeziehung werden. 

Noch greifbarer wird girocard 4.0 beim Smart-Payment. Die digitale Altersverifikation beispielsweise zeigt, wohin die Reise geht: Bei altersbeschränkten Produkten kann das Alter direkt über die digitale girocard geprüft werden – etwa an Automaten, unbedienten Kassen oder perspektivisch auch bei Online-Bestellungen. Für den Handel bedeutet das weniger manuelle Kontrolle, schnellere Abläufe und mehr Datenschutz, weil kein Ausweisdokument mehr angeschaut oder gescannt werden muss. Gerade für Self-Checkout, Vending und Convenience-Formate kann das ein Effizienzhebel werden.   

Kundenbindung sinnvoll verzahnt

Hinzu kommen digitale Kassenbons, Cashback- oder Loyalty-Anbindungen und weitere Services rund um den Bezahlmoment. Die girocard rückt damit näher an das heran, was Händler im Alltag brauchen: nicht noch ein isoliertes Payment-Logo, sondern eine Infrastruktur, die Zahlung, Identifikation und Kundenbindung sinnvoll verzahnt. 

Seit 2026 fließt über eine bundesweit einheitliche Scheme-Manager-Fee Kapital in Produktentwicklung und Marktbearbeitung. Entscheidend wird sein, dass daraus schnell marktfähige Funktionen entstehen, die den Handel spürbar entlasten. Händler akzeptieren neue Kosten nur dann, wenn sie Stabilität, Reichweite und konkrete Mehrwerte zurückbekommen. 

Potential für den Handel für morgen

Für PAYONE ist diese Entwicklung besonders relevant. Als starker girocard-Netzbetreiber setzen wir an unseren Terminals konsequent auf girocard-Akzeptanz und bringen die Anforderungen des Handels aktiv in die Weiterentwicklung ein. Für Großkunden zählt am Ende nicht, ob eine Funktion technisch interessant ist. Sie muss im Rollout funktionieren, Kosten transparent halten, Kundenerlebnisse verbessern und zu bestehenden Systemen passen. 

Die girocard 4.0 ist keine technische Spielerei, sondern ein pragmatischer Schritt nach vorn. Sie verbindet Verlässlichkeit, breite Akzeptanz, Kosteneffizienz und Vertrauen mit dem, was digitale Geschäftsmodelle verlangen: App-Fähigkeit, Wallet-Nutzung, Zusatzservices und flexible Einsatzszenarien. Damit hat die girocard das Potenzial, zu einem digitalen Zugangspunkt für den Handel von morgen zu werden.